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Die Flora del Cilento-Nationalpark

Die Vielfalt und Komplexität der Geologie und Geomorphologie des Cilento haben großen Einfluß auf die Vegetation und die Flora dieses Gebietes. Die große Entfernung zu den bekannteren und von Touristen vielbesuchten Orten, die Unzugänglichkeit vieler Gebirgs- und Flußzonen, der geringe Druck von Seiten des Menschen, sei es durch Besiedlung, sei es durch Industrie und Gewerbe, das Nichtvorhandensein industriellen Landbaus, die geringe Bevölkerungsdichte machen diese Region zu einem bevorzugten Ort, auch in Hinsicht auf Vegetation und Flora. All diese Faktoren erklären die große Zahl endemischer botanischer Arten, das heißt von Arten, die ausschließlich hier vorkommen. Unter anderem ist hier die weltberühmte Palinuro-Primel( Prìmula palinuri) anzuführen, die Felsennelke (Dianthus rupicola), der Gasparrini-Ginster (Genista ephedroides), die kretische Kratzdistel (Cirsium creticum) und, um auch noch zwei Wasserpflanzen anzuführen, die an zahllosen Wasserläufen zu finden sind, der Tannenwedel (Hippuris vulgaris) und der Bunte Schachtelhalm (Equisetum variegatum).

DER KOMPLEX GELBISON-CERVATI

Der Monte Gelbison und der Centaurino sind beides Gebirgsstöcke, die aus der Gesteinsart Flysh gebildet sind. Kein Wunder also, daß sich die Vegetation der beiden Berge nicht sonderlich voneinander unterscheiden. Wenn man jedoch auch noch die - geringfügigen - Unterschiede in der Art des Bodens miteinbezieht, werden Unterschiede in der Vegetation der beiden Gebirgsstöcke deutlich. Wenn man die Abhänge des Gelbison hochsteigt, so läßt einen die herrliche Landschaft die Vielfalt der Vegetation verstehen. Der Sommer- und Zerreichenwald am Fuß des Berges, der sich früher wahrscheinlich bis in 300, 400 Meter Höhe hochgezogen hat, ist heute nur noch in einigen Resten vorhanden, in den meisten Fällen in Form einiger Exemplare am Waldrand und an den Rändern der Terrassen. Begleitet werden diese Reste des alten Baumbestandes meist von dichten Schlehenbüschen, die im Frühjahr mit einem luftigen weißen Blütenschleier überzogen sind, von Feldahorn, in den meisten Fällen aber nur von bloßen Büschen, und Schlehdornbüscheln. Der Rest der Vegetation in dieser Höhenlage besteht aus grazilen Weinbergen, mächtigen Olivenhainen, Gärten und Äckern, die oft terrassenförmig von Trockenmauern aus dem ortsüblichen rotbraunen und braunen Stein gebildet sind. Weiter oben ist mehr und mehr der klassische Bewuchs der Gegend sichtbar, auf Böden, die fast keinen Kalk mehr enthalten. Die Herzblättrige Erle Alnus cordata), die hier vor allem auf feuchten und kühlen Boden vorkommt, stellt keine besonderen Ansprüche an das Gelände. Zahlreich und vielfältig sind die klassischen, typischen Bäume dieser Gegend: Die Kastanie (Castanea saliva), die zusammen mit der Erle, wunderschöne Niederwälder bildet, sowie der Besenginster (Sarothamnus scoparius), nicht zu verwechseln mit dem Pfriemenginster (Spartium junceum), der auch auf Karbonatböden gut gedeiht. Im Unterholz findet man, abgesehen vom Ginster, (der ohnehin eher sonnige Gegenden bevorzugt) einen dichten Teppich von Adlerfarn (Pteridium aquilinum), der sich Ende Winter, Anfang Frühjahr kupferrot ausbreitet, belebt vom Hellgrün der Stinkenden Nieswurz (Helleborus foetidus), von den himmelblauen und rosafarbenen Sternen der Anemonen (Anemone sp.) und von den rosa und veilchenblau flammenden Blüten der Krokusse im Frühling (Crocus sp.). In höheren Zonen, über 800 bis 850 Metern mischt sich in den Glanz der Kastanienwälder der Zauber der Buchenwälder. Während sich die Kastanie im Frühling in einem sanften, zarten Grün zeigt (das im Sommer strahlt und sich im Herbst in leuchtendes Gelb verwandelt), spielt die Buche in allen Jahreszeiten mit dem Kontrast zwischen dem Silbergrau der Stämme und den vielfältigen Schattierungen der Wipfel, die auch durch die violette Rinde des Geästs faszinieren. Im Wald kann man auch den wunderschönen Kalabrischen Spitzahorn (Acer lobelii) bewundern, eine seltene Art, die man hier in felsigen Zonen bis auf ca. 1700 Meter Höhe findet. Die Kalkberge, die sich in einem idealen Halbkreis vom Monte Cervati bis zu den Alburni-Bergen erstrecken, sind Teil der Kalklandschaft, die im Mittelteil des Appenin so häufig ist. Die Pflanzenwelt ist die klassische dieser Zonen. Im unteren Bereich, in dem sich tonhaltige und erdige Bergrücken zwischen die Gesteinsmassive drängen und die Wasserläufe und Täler begleiten, finden wir eine von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung geprägte Landschaft, die für das kampanische Binnenland dieses Teils der Provinz so charakteristisch ist. Auch hier ist, wie beim Monte Gelbison, die alte Pflanzendecke aus Sommer- und Zerreichenwäldern (Quercus cerris) nur noch in spärlichen Resten vorhanden, die sich zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen erhalten haben. Reihen und Hecken, Wäldchen und Ufer haben ihre früher so reiche Existenz wie in einem naturkundlichen Museum noch erhalten.

DER KOMPLEX DER ALBURNI-BERGE

Eine der besonderen Auffälligkeiten der Vegetation der Alburni-Berge ist unserer Meinung nach der Unterschied zwischen dem Bewuchs auf der eher sanft und abgestuft aufsteigenden Südseite und der steiler und alpiner anmutenden Nordseite. Wenn man den Abhang vom Sele-Tal aus betrachtet, so zeigt er in perfekter Weise den Modus, nach dem der Baumbewuchs sich an die jeweiligen Gegebenheiten der Geographie und des Bodens anpaßt. Der dunkelgrüne Bewuchs dichter Steineichenwälder, der die Hänge unterhalb der steil in den Himmel ragenden Felsnadeln bedeckt, zeigt sich im Winter von braunen Längsstreifen durchzogen, welche die Wasserläufe markieren, die zwischen den Gipfeln entspringen und zu Tale stürzen. Der Grund für diese Zweifarbigkeit ist schnell erklärt: Die Steineiche und ebenso die anderen immergrünen, wärmeliebenden Pflanzen, die an felsigen , wenig fruchtbaren und steilen Felskuppen wachsen, lassen an diesen Taleinschnitten der anspruchsvolleren Erle den Vortritt. Mit ihren kahlen Wipfeln und dem braunen Geäst sind sie es, die den farblichen Kontrast zu den Steineichenwäldern bildern. Abgesehen davon folgt die Vegetation der Alburni-Berge dem klassischen Schema der Kalkmassive dieser Gegend. In den niedriger gelegenen Zonen, also etwa von 600 bis 1000 Meter, wo sich die Einflüsse des mediterranen Klimas bereits erheblich bemerkbar machen, findet man den üblichen vielfältigen und farbenfrohen Bewuchs mit Bäumen, die im Herbst ihre Blätter verlieren: Schwarze Hainbuchen mit braunglänzender Rinde, Eschen, die in weißen und honigsüßen Dolden blühen, krüppelige, stolze Sommereichen und Feldahorn. Dort wo der Fels dominiert und der Wind freie Bahn hat, herrscht mediterrane Macchia vor, mit Myrten, Steinlinden, Kreuzdorn, Mastixsträucher, Viburnum (Schneeball) und Wilder Spargel. All das im gewohnten aromatischen und glänzenden Zusammenspiel der Pflanzen, die von der Steineiche dominiert werden. Auf Höhen zwischen 600 und 800 Metern findet man manchmal die Zerreiche, die sich auf Hängen und Hochebenen mit großen Exemplaren ausbreitet, die bis in den Frühling hinein ihre Blätter behalten. Mit ihr teilen sich diese Region zahlreiche und bedeutende, wenn auch spärlich wachsende Pflanzen: Der Schneeball-Ahorn (Acer opalus), Roverella etc. pp., alles begleitet von niedriger wachsenden, deshalb nicht weniger schönen Pflanzen, etwa Wacholder (Juniperus communis), Schlehen, Weißdorn, Clematis, Brombeeren und Farn. Oberhalb der Zerreichenwälder finden wir die Kastanienwälder, die 15 % der gesamten Waldfläche hier ausmachen. Der Buchenwald, der klassische Wald des Appenin in Höhenlagen über 1000 Meter, ist auch in dieser Bergkette sehr stark vertreten (48 % der gesamten Waldfläche). Die Flora unterscheidet sich kaum von den bereits für andere Zonen beschriebenen, allerdings ist hier noch die Tanne zu erwähnen, die in der Gemeinde Corleto Monforte zu finden ist, ferner die Eibe (Taxus baccala), die verstreut in Buchenwäldern vorkommt.



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